Zentrale Anlagentechnik in mehrzonigen Gebäuden richtig zuweisen und bilanzieren

Zentrale Anlagentechnik

Wenn ein Gebäude aus mehreren thermischen Zonen oder Baukörpern (z. B. mehreren Stiegen) besteht, die von einer gemeinsamen Heizzentrale versorgt werden, ist die korrekte Konfiguration in ArchiPHYSIK entscheidend. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie eine zentrale Anlage richtig anlegen und Verteilungsverluste präzise definieren.

Warum das mehrfache Anlegen baugleicher Anlagen zu Fehlern führt

Häufig neigen AnwenderInnen dazu, für jede thermische Zone (oder jeden Baukörper) eine eigene Heizungsanlage im Anlagenbaum anzulegen. Dies führt jedoch aus zwei Gründen zu fehlerhaften Berechnungen und unplausiblen Ergebnissen:

  1. Verfälschte Nennleistungen: Wenn Sie die Gesamtnennleistung der Anlage (z. B. 40 kW) auf mehrere fiktive Kleinanlagen (z. B. 4 x 10 kW) aufteilen, rechnet das Programm mit falschen Wirkungsgraden. Die Berechnungsformeln der ÖNORM sind nicht linear – kleinere Erzeuger werden rechnerisch oft schlechter bewertet als ein einzelnes Großgerät.
  2. Unvollständige Deckung: Wenn Sie die Großanlage duplizieren und jeder Zone das baugleiche 40-kW-Gerät zu 100 % zuweisen, multipliziert sich die Nennleistung in der Gesamtdokumentation fälschlicherweise auf 160 kW.

Die korrekte Vorgehensweise

ArchiPHYSIK ist darauf ausgelegt, eine zentrale Anlage im Hintergrund automatisch flächengewichtet aufzuteilen.

  • Legen Sie dazu im Bereich Anlagentechnik ein einziges Raumheizungs- bzw. Warmwassersystem mit der tatsächlichen Gesamtnennleistung an.
  • Wechseln Sie im Navigator auf Gebäude -> Anlagenanteile und wählen Sie nacheinander die einzelnen Zonen/Baukörper aus.
  • Ziehen Sie dieselbe zentrale Heizung aus dem Datenassistenten in die Anlagenliste der jeweiligen Zone.
  • Das Programm teilt nun die Bereitstellungsverluste und die Hilfsenergie der Anlage, anhand der Versorgungsflächen, automatisch auf die Zonen auf.

Verteilungsleitungen richtig definieren

Bei zentralen Heizungsanlagen entstehen Verteilungsverluste auf dem Weg vom Heizraum zu den einzelnen Zonen. Standardmäßig rechnet das Programm mit pauschalierten Werten, die jedoch bei komplexen Gebäuden oft zu konservativ / zu schlecht ausfallen.

Pauschale vs. detaillierte Angabe von Leitungslängen

Längen detailliert: Wenn Sie die tatsächlichen Leitungslängen aus der HKLS-Planung kennen, sollten Sie die Option auf „detailliert“ umstellen. Dies verhindert, dass das Programm mit zu langen, fiktiven Rohrleitungen rechnet und die Verlustbilanz unnötig verschlechtert.

Längen pauschal: Hierbei ermittelt das Programm die Leitungslängen automatisch anhand von Standard-Formeln der Ö-Norm. Dies ist für Standardwohngebäude im Vorentwurf gut geeignet.

Rohrleitungen im unkonditionierten Bereich präzise erfassen

Im Reiter Gebäude → Anlagenanteile lässt sich für jeden Leitungstyp (Anbindeleitungen, Steigleitungen, Verteilleitungen) separat festlegen, ob die Längen pauschal oder detailliert eingegeben werden. Bei der detaillierten Eingabe stehen zwei Spalten zur Verfügung: konditioniert und unkonditioniert. Tragen Sie hier die tatsächlichen Leitungslängen im unbeheizten Bereich (z. B. Keller, Stiegenhaus) separat ein – das Programm berechnet die Verluste für diese Abschnitte dann mit realistischeren Temperaturbedingungen, statt pauschal mit Außentemperatur.

Fazit

Durch die Kombination aus einmalig angelegten Erzeugern im Anlagenbaum und detailliert erfassten Leitungslängen – getrennt nach konditionierten und unkonditionierten Bereichen – erzielen Sie eine normkonforme und plausible Energiebilanz und vermeiden die häufigsten Fehlerquellen bei mehrzonigen Gebäuden.


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