Warum zeigt mein Projekt eine Nennleistung von 1.600 kW an? Wie lösche ich alte Heizungsanlagen? In der täglichen Support-Praxis sehen wir oft kleine Einstellungsfehler mit großer Wirkung – hier sind die wichtigsten Tipps für Ihren Workflow.
Zentral oder dezentral? Der unterschätzte Schalter
Die Wahl im Reiter „Wärmebereitstellung“ zwischen zentraler und dezentraler Versorgung klingt unscheinbar – hat aber massive Auswirkungen auf berechnete Leitungsverluste und die ausgewiesene Anlagenleistung.
Option A
Zentral
Klassische Zentralheizung (Kessel oder Wärmepumpe im Keller) für das gesamte Gebäude. ArchiPHYSIK rechnet mit realistischer Nennleistung, weil eine Gleichzeitigkeit berücksichtigt wird – nicht alle Räume müssen zur selben Millisekunde die Spitzenlast abrufen.
Option A
Dezentral
Jede Nutzungseinheit besitzt ein eigenes Heizgerät (z. B. Gastherme je Wohnung). Kein gemeinsamer Puffer, kein zentrales Steigleitungsnetz – die Wärme wird direkt in der Wohnung erzeugt.
Häufiger Fehler Dezentral gewählt, obwohl eine Zentralheizung vorliegt – das führt zu unrealistisch hohen Nennleistungen und falschen Leitungsverlusten im Energieausweis.
Der Speicher: Warum Werte so extrem springen
Der häufigste Grund für unerwartet hohe Leistungsangaben ist ein fehlendes Speicher-Element in der Konfiguration.
Wird ein Warmwassersystem ohne Speicher definiert, behandelt ArchiPHYSIK die Anlage wie einen Durchlauferhitzer: Wasser muss im Moment des Aufdrehens sofort von 10 °C auf 60 °C gebracht werden – das erfordert eine enorme elektrische oder thermische Spitzenleistung.
Sobald Sie im Reiter Wärmespeicherung einen Speicher hinzufügen, sinkt die benötigte Nennleistung sofort stark ab, weil die Energie über einen längeren Zeitraum vorgehalten werden kann.
Empfehlung: HKLS-Fachplanung einbeziehen Wenn Speichergröße oder -vorhandensein unklar sind, holen Sie die exakten Daten aus der Anlagenplanung ein – reale Speichergrößen und Kesselleistungen sind der sicherste Weg, um Fehlermeldungen zu vermeiden und einen fachlich fundierten Energieausweis zu erstellen.
Ordnung halten: Anlagen kopieren & löschen
In gewachsenen Projekten hängen oft noch alte Anlagendaten – und lassen sich scheinbar nicht entfernen. Hier die zwei wichtigsten Regeln:
Warum lässt sich Anlage 1 nicht löschen?
Die allererste Anlage im Projekt dient als technischer Anker und kann grundsätzlich nicht gelöscht werden. Der richtige Weg ist, ihre Daten zu überschreiben.
Schritt-für-Schritt: Daten korrekt übertragen
- Markieren Sie Raumheizung Anlage 1 in der Anlagenliste.
- Nutzen Sie das Blatt-Icon, um Werte aus einer anderen Anlage zu übertragen.
- Die korrekten Daten werden so in das Hauptsystem kopiert.
- Prüfen Sie in den Anlagenanteilen, ob die alte Anlage noch einer Zone zugewiesen ist.
- Erst wenn keine Zuweisung mehr besteht, kann die Anlage gelöscht werden.
Schnell-Check vor dem Löschen Anlage → Anlagenanteile öffnen → Zonen-Zuweisung prüfen. Ist die Anlage noch verknüpft, schlägt das Löschen fehl.
Fazit
Mit der richtigen Wahl zwischen zentraler und dezentraler Bereitstellung sowie einer vollständigen Speicherdefinition vermeiden Sie Warnmeldungen und erhalten einen fachlich fundierten Energieausweis – ohne Überraschungen bei der Nennleistung.
