In der professionellen Erstellung von Energieausweisen und bauphysikalischen Nachweisen stellt die lückenlose Dokumentation von Planungsschritten eine grundlegende Anforderung dar. Da sich Projekte oft über lange Zeiträume erstrecken und zahlreiche Varianten sowie regulatorische Änderungen durchlaufen, fungiert der integrierte Projektverlauf in ArchiPHYSIK als revisionssicheres Logbuch.
Automatisierte Protokollierung und Versionssicherheit
ArchiPHYSIK unterstützt Berechnerinnen und Berechner durch eine weitgehend automatisierte Erfassung technischer Meilensteine. Dies ist besonders relevant, wenn Energieausweise aufgrund neuer gesetzlicher Anforderungen neu berechnet werden müssen.
Um den Projektverlauf in ArchiPHYSIK aufzurufen, stehen Ihnen zwei Wege offen: Er ist permanent als eigener Bereich im Reiter Projekt hinterlegt, wo Sie alle Details einsehen können. Möchten Sie den Verlauf jedoch parallel zu Ihren Berechnungen im Blick behalten, lässt er sich jederzeit über das Menü Inspektor -> Verlauf als flexibles Fenster einblenden.
Primäre Anzeigeinhalte:
- Versionskontrolle als Orientierungshilfe: Bei jedem Projektexport generiert das Programm automatisch einen Verlaufseintrag inklusive der verwendeten Versionsnummer. Diese Funktion ist besonders wertvoll, wenn ältere Energieausweise ablaufen und eine Neuberechnung erforderlich wird. Anhand der im Verlauf geloggten Versionsnummer lässt sich die technologische Basis der ursprünglichen Berechnung jederzeit zweifelsfrei verifizieren.

- Lokalisierungswechsel: Ein Wechsel der Berechnungsgrundlage (beispielsweise von OIB-Richtlinie 2023 auf 2025), somit auch der dahinter liegenden Normenfassungen stellt komplexe Anforderungen an die Datenstruktur. ArchiPHYSIK dokumentiert hierbei automatisch die Anpassung der Nutzungsprofile, was eine wesentliche Erleichterung bei der Qualitätssicherung darstellt.
- Schnittstellen-Anbindung: Die erfolgreiche Übermittlung von Projektdaten an Portale wie ZEUS, WUKSEA oder eAWZ wird inklusive eines direkten Links zur Upload-Bestätigung festgehalten. Ein entscheidender Vorteil für den Workflow: Während Fehlermeldungen in den direkten Antwort-Dialogen (Pop-up-Fenstern) der Portale oft nur eingeschränkt lesbar oder flüchtig sind, protokolliert ArchiPHYSIK die vollständigen Fehlermeldungen im Projektverlauf. Berechner*innen können diese dort in Ruhe prüfen, gezielte Berichtigungen vornehmen und so den erfolgreichen Upload sicherstellen.
Der Revisionsvergleich
Ein zentrales Werkzeug für die Qualitätssicherung ist der Revisionsvergleich. Über den entsprechenden Button im Projektverlauf lassen sich zwei verschiedene Revisionsstände oder Varianten direkt gegenüberstellen.

Dieses Fenster visualisiert Unterschiede in den Kennzahlen – von den Energielabels bis hin zu geometrischen Kenndaten wie der Brutto-Grundfläche (BGF) oder dem mittleren U-Wert. Abweichende Werte werden farblich hervorgehoben, wodurch Berechner*innen eine sofortige Kontrolle über die Auswirkungen baulicher oder anlagentechnischer Änderungen erhalten.
Kollaboration und Verantwortlichkeiten im Team
In größeren Planungsbüros, in denen mehrere Berechner*innen an einem Projekt arbeiten, ist die Zuordnung von Arbeitsschritten essenziell.
Jeder Verlaufseintrag wird automatisch mit dem Benutzerkürzel des Erstellers versehen. Dies schafft Transparenz und erleichtert die interne Kommunikation. Um die Datenintegrität zu wahren und gleichzeitig die Korrektur von Tippfehlern zu ermöglichen, können manuelle Einträge innerhalb eines Zeitfensters von 15 Minuten nach der Erstellung bearbeitet werden – auch wenn das Projekt zwischenzeitlich geschlossen wurde. Nach Ablauf dieser Frist bleibt der Eintrag als fixer Bestandteil der Projekthistorie bestehen, um den Grundsatz der Revisionssicherheit zu erfüllen.
Optimierte Workflows und Benutzeroberfläche
Die Handhabung des Verlaufs wurde gezielt an die Bedürfnisse der User angepasst, um den Arbeitsfluss nicht zu unterbrechen:
- Effiziente Dateneingabe: Dialoge können direkt mit der Enter-Taste bestätigt werden, was die Mauswege minimiert.
- Verlaufs-Inspektor: Über die Funktion Inspektor -> Verlauf lässt sich eine kompakte Übersicht öffnen, die den gesamten Werdegang des Projekts darstellt, ohne die Hauptansicht zu verdecken. Der Inspektor zeigt dynamisch den Verlauf des jeweils aktiven Projekts.

Empfehlung für die Praxis – Verlaufsdialog beim Schließen
Um eine konsistente Dokumentation zur Gewohnheit zu machen, empfiehlt sich die Aktivierung der Option „Verlaufsdialog beim Verlassen des Projekts anzeigen“ in den Voreinstellungen der ArchiPHYSIK (linkes Bild).


Ist dieses Hakerl in den Voreinstellungen gesetzt – öffnet sich automatisch ein Eingabefenster für den Verlauf (rechtes Bild) bevor das Projekt geschlossen wird.
Darin können die aktuell durchgeführten Änderungen kurz und präzise festgehalten werden. Diese proaktive Abfrage stellt sicher, dass wertvolles Wissen über den Planungsprozess nicht verloren geht und bei späteren Projektbesprechungen oder behördlichen Rückfragen sofort zur Verfügung steht.
Fazit
Die konsequente Nutzung des Projektverlaufs in ArchiPHYSIK ist ein wesentlicher Baustein für eine professionelle und rechtssichere Arbeitsweise. Er transformiert die Projektbearbeitung von einer reinen Dateneingabe in einen lückenlos nachvollziehbaren Planungsprozess.
Dank der Kombination aus automatisierten System-Logs, der präzisen Zuordnung von Bearbeitungsschritten zu den jeweiligen Berechner*innen und dem analytischen Revisionsvergleich behalten Sie auch bei komplexen, langjährigen Projekten stets die volle Kontrolle. Die Dokumentation im Verlauf ist somit nicht nur ein internes Gedächtnis, sondern ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung, das bei Rückfragen von Behörden oder Auftraggebern die notwendige Sicherheit bietet. Eine sorgfältige Protokollierung ist eine Investition, die sich spätestens bei der nächsten Projektbesprechung oder einer notwendigen Neuberechnung durch enorme Zeitersparnis bezahlt macht.
