Das Glaser-Verfahren nach ÖNORM B 8110-2 ist ein bewährtes Werkzeug für den Feuchteschutznachweis – aber es basiert auf vereinfachten, stationären Annahmen. Bei komplexen Bauteilaufbauten kann es an seine physikalischen Grenzen stoßen. Dieser Artikel erklärt, wann und warum das passiert, und zeigt die Lösungswege in ArchiPHYSIK.
Das Glaser-Verfahren und seine Annahmen
Das stationäre Glaser-Verfahren betrachtet den Feuchtetransport durch ein Bauteil ausschließlich als Dampfdiffusion – also als gleichmäßigen, schichtweisen Druckausgleich durch das Material. Es setzt dabei konstante Randbedingungen voraus: ein lineares Temperaturgefälle von innen nach außen, gleichbleibende Luftfeuchte und vor allem – keine Luftbewegung im Bauteil.
Diese Annahmen funktionieren gut bei einfachen, homogenen Konstruktionen. Bei komplexen Aufbauten – etwa belüfteten Dächern, hinterlüfteten Fassaden oder Bauteilen mit Hohlräumen – treffen sie jedoch nicht mehr zu.
Diffusion und Konvektion
Neben der Dampfdiffusion gibt es die Konvektion. Dabei wird Feuchtigkeit nicht durch das Material diffundiert, sondern durch Luftströmungen physisch transportiert.
Wird in ArchiPHYSIK die Option „Strömungspfad“ aktiviert, simuliert das Programm genau diesen Effekt: Außenluft strömt in den Bauteil ein und bringt ihre Feuchte mit. Das kann – besonders bei belüfteten Dachkonstruktionen – zu erheblichen Feuchteeinträgen führen.
Eine Dampfsperre dichtet zuverlässig gegen Diffusion, nicht jedoch gegen Konvektion. Wenn Luft durch Fugen oder Hohlräume strömen kann, transportiert sie Feuchtigkeit am Dampfbremsystem vorbei. Das Programm berechnet in diesem Fall korrekt – und die Ergebnisse können dennoch alarmierend hoch sein.
Wenn die Berechnung abbricht
Bei aktiviertem Strömungspfad und komplexen Schichtaufbauten kann manchmal folgende Meldung erscheinen:

Die Meldung „Berechnung nicht möglich. Fehlernummer: 1″ zeigt an, dass das Glaser-Verfahren an seine mathematischen Grenzen gestoßen ist.
Dies ist kein Softwarefehler, sondern eine gezielte Sicherheitsfunktion. Durch die einströmende Außenluft bricht das lineare Temperaturgefälle im Bauteil zusammen – die mathematischen Grundlagen des Glaser-Verfahrens sind nicht mehr gegeben. Die Formeln würden in solchen Fällen negative Dampfdrücke oder physikalisch unmögliche Werte liefern. ArchiPHYSIK erkennt dies und bricht die Berechnung kontrolliert ab, bevor fehlerhafte Ergebnisse angezeigt werden.
Mögliche Lösungsansätze
Option 1: Luftdichtheit dauerhaft gesichert
Wenn die Luftdichtheit des Bauteils durch die Konstruktion dauerhaft sichergestellt ist (z. B. durch eine verklebte Dampfbremse oder eine luftdichte Schicht), aktivieren Sie in den Schichten-Eigenschaften die Option „Luftdichtheit dauerhaft gesichert”. Damit wird die Konvektionssimulation deaktiviert, das Programm berechnet die reine Diffusion – und die Berechnung läuft stabil durch.

Die Option „Luftdichtheit dauerhaft gesichert” deaktiviert die Konvektionssimulation.
Option 2: Direkteingabe externer Simulationsergebnisse
Bei Bauteilen mit tatsächlichem Konvektionsrisiko ist das stationäre Glaser-Verfahren grundsätzlich nicht das geeignete Nachweisverfahren. In diesen Fällen empfiehlt sich eine instationäre Simulation mit einem spezialisierten Programm wie WUFI. Die dort ermittelten Ergebnisse können in ArchiPHYSIK über das Feld „Direkteingabe” manuell eingetragen und für den Nachweis verwendet werden.

Bei Bauteilen mit Konvektionsrisiko kann der Feuchteschutznachweis über „Nachweis über Direkteingabe” manuell eingetragen werden – etwa auf Basis einer externen Simulation.
Fazit
Der Abbruch der Dampfdiffusionsberechnung ist ein Zeichen dafür, dass ArchiPHYSIK die Grenzen des verwendeten Verfahrens kennt und Sie aktiv vor falschen Ergebnissen schützt. Die Lösung hängt von der Konstruktion ab: Ist Luftdichtheit gesichert, genügt eine Einstellungsänderung. Ist Konvektion ein reales Risiko, führt kein Weg an einer instationären Simulation vorbei.
